Krawattennadel

Es ist erstaunlich, wie aufwändig es in einer Stadt wie Dresden sein kann, eine Krawattennadel zu erstehen. Die Betonung liegt dabei auf „Nadel“ – ein offensichtlich etwas aus der Mode gekommenes, aber nicht minder schönes Accessoire, welches auf meine Nachfrage vom Verkaufspersonal verschiedener kleiner und großer Herrenausstatter im Stadtzentrum stets mit „Krawattenspange“ assoziiert wurde, was jedoch den Kern der Sache und vor allem meinen Wunsch nicht traf. So ergab sich eine mehrstündige Odyssee über den Altmarkt in die gleichnamige Galerie hinüber zur Prager Straße mit all Ihren großen Kaufhäusern. Überall bot sich das gleiche Bild: nur Spangen, keine Nadel, Schulterzucken und der ein oder andere Hinweis auf andere Geschäfte.

Fündig wurde ich schließlich bei einem ortsansässigen Juwelier, der mein Anliegen verstand und zudem in der Lage war, mir schnell und unkompliziert meine Wunsch-Krawattennadelinnerhalb von zwei Tagen inkl. Besorgung des Materials anzufertigen – ein herzliches Dankeschön dafür! Gut zu wissen, dass es diese kleinen Geschäfte mit Flexibilität und persönlicher Beratung gibt.

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Unrechtsbewusstsein

Heute morgen wollte ich meinen Ohren nicht trauen, als ich kurz nach dem Aufwachen im Radio die Nachricht vernahm, dass über eine Legalisierung von Blitzwarnern nachgedacht wird. Als offizielle „Begründung“ wird eine „Erhöhung der Verkehrssicherheit“ versprochen.

Eine wunderbare Idee! Konsequenterweise möchte ich nun vorschlagen, in jedem Schlafzimmer Bewegungsmelder zu installieren, die im Hause anwesenden Einbrechnern signalisieren, wenn der Bewohner des Hauses aufgrund merkwürdiger Geräusche in seiner Umgebung erwacht und somit dem unerwünschten Besucher die Chance zu geben, den Tatort rechtzeitig zu verlassen…

Im Ernst: Das Problem ist nicht die Existenz des Blitzers, es sind nach wie vor die Geschwindigkeitsübertretung und das mangelnde Unrechts- und Gefährdungsbewusstsein vieler Verkehrteilsnehmer!

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Istanbul

Wir sind unterwegs, den Jahreswechsel verbringen wir in Istanbul. Unser Reiseführer empfiehlt einen Spaziergang durch Fener, einen Stadtteil, der nicht zu den gängigen Touristenrouten zählt. Er zeichnet sich durch belebte, verwinkelte Straßen und Gassen aus, die in Karten schlecht dokumentiert sind. Wir haben also folgerichtig die Orientierung verloren und versuchen, sie durch Drehen und Wenden unseres Reiseführers wiederzuerlangen. Ein älterer türkischer Herr bemerkt dies, kommt auf uns zu, drückt uns einen Stadtplan in die Hand, deutet mit dem Finger darauf und sagt stolz „Istanbul!“, bevor er mit einem Lächeln im Gesicht seinen Weg durch das Stadtviertel fortsetzt.

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Informatiker

„Was bist Du eigentlich von Beruf?“ wechselte er das Thema. „Wieso?“ „Du bist nicht bei der Polizei, oder?“ Kristall-Rainer war nicht überrascht, er schaute bloß an Herrn Lehmann vorbei ins Dunkel der Kneipe. „Nein“, sagte er nach einer ganzen Weile. „Was machst Du denn so?“ „Informatiker.“ Kristall-Rainer betonte jede Silbe, als er das sagte, so als müsse er sich erst erinnern. Das, entschied Herr Lehmann sofort, ist wahr. So etwas, dachte er, denkt man sich nicht aus, wenn man etwas zu verbergen hat. Er konnte sich nichts Langweiligeres, Abseitigeres, Öderes, Unglamouröseres vorstellen, als Informatiker zu sein.

Aus „Herr Lehmann“, Sven Regener, Eichborn Verlag 2001

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